Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderung eröffnet Recyclingkaufhaus

Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderung eröffnet Recyclingkaufhaus

Kaufhaus

Bericht vom Darmstädter Echo

 

ROSSDORF - Eine alte Kaffeemühle, ein orangefarbenes Sofa aus den 70ern, ein japanischer Papierschirm oder ein Männchen aus Kupferrohren: Im neuen Recyclingkaufhaus an der Fuchsenhütte 62 gibt es auf 230 Quadratmetern viel zu entdecken. Zahlreiche Kunden stöbern bei der Eröffnung und nutzen gleich die Gelegenheit, etwas Gebrauchtes zu kaufen. Die Idee ist bereits vor mehreren Jahren entstanden. Damals hatte der Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderung angefangen, Spenden für seine Bewohner anzunehmen und ihnen somit eine kostenlose Erstausstattung zur Verfügung zu stellen, berichtet die Geschäftsführerin vom BHZ Soziale Dienste, Daniela Rothstein.

 

Ermöglicht wurde ihnen mit der Eröffnung des Recyclingkaufhauses jetzt zugleich ein neuer Arbeitsplatz mitten in der Gemeinde. Der Laden biete eine sinnstiftende Tätigkeit für Menschen mit Beeinträchtigung und einen niedrigschwelligen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt. Zudem sei Nachhaltigkeit schon immer ein Thema gewesen. Viele Dinge sind zum Wegwerfen zu schade. „In unserer Werkstatt wird das Gespendete aufbereitet“, führt Rothstein aus. Neues wird aus Stoffresten genäht, Paletten oder Kupferstücke werden zur Herstellung von Neuem recycelt.

 

„Wir nehmen Gespendetes an und holen es vor Ort ab.“ Es wird direkt sortiert, über die Brauchbarkeit der Gegenstände entschieden und gesäubert. Saisonal werden immer wieder Sonderaktionen veranstaltet.
 

In der Kupferwerkstatt habe Arbeitstherapeut Andreas Schumann viele Ideen, um aus alten Rohren etwas Neues zu machen. „Erst werden sie in Stücke geschnitten, um sie durch Kleben oder Löten miteinander zu verbinden“, erklärt die Sozialarbeiterin Hannah Lisa Kraus die Herstellung der Kupfermännchen.

 

In der Nähwerkstatt werden unter anderem Mützen geschneidert. Jeder arbeite nach seinen Möglichkeiten mit und erfahre, wie es sich anfühle, etwas zu produzieren. Ebenso werden Holzarbeiten angeboten. Der Verein übernimmt auch die komplette Abwicklung von Haushaltsauflösungen zu fairen Preisen.

 

Wegkommen von der Wegwerfgesellschaft

„Wir sind der erste Zuverdienstbetrieb in Hessen“, betont Rothstein. „Wegkommen von der Wegwerfgesellschaft, verbunden mit der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen“, nennt sie ihre Philosophie. Menschen mit einer „gesunden Biografie“ gelten allein wegen einer neurologischen Erkrankung – beispielsweise nach einem Schlaganfall, bei Parkinson oder multipler Sklerose – als behindert und würden nach der medizinischen Rehabilitation in ein Loch der Versorgung fallen. Der Problematik wollen sie sich vermehrt annehmen, um diesen Personen einen sozialen und beruflichen Einstieg zu ermöglichen. Auch Menschen mit einer Erwerbsminderungsrente sollen hier eine Arbeit finden. So leistet der Verein ebenso einen Beitrag zur Re-Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ihre zwölf Beschäftigten seien hier im Kaufhaus und in der Werkstatt stundenweise tätig und der Umsatz komme ihnen zugute. So könne der Verein im Landkreis Darmstadt-Dieburg dazu beitragen, diese Lücke ein Stück weit zu schließen.

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