Mehr Platz für jeden einzelnen Bewohner
Einweihung: Roßdörfer Behindertenzentrum feiert Übergabe seines Neubaus – Spendenaktion half bei der Finanzierung
ROSSDORF. „Waldemar“, „Manfred“ und „Fritz“ – die drei neuen Wohneinheiten des Behindertenzentrums in Roßdorf, die am Samstag offiziell eingeweiht wurden, tragen ungewöhnliche Namen. Benannt wurden sie nach ehemaligen Vorsitzenden des Zentrums. Insgesamt werden ab dem 1. Mai nun 25 Bewohner in der Anlage untergebracht werden können.
Finanziert wurde der Neubau unter anderem durch die Spendenaktion „Das Behindertenzentrum braucht mehr Platz“, initiiert vom Lions Club Darmstadt Mathildenhöhe. Es wurde keine Bezuschussung öffentlicher Mittel für den Erweiterungsbau beantragt.
Ziel war es, in der Region Spenden über 40?000 Euro zu sammeln, der Lions Club wollte diesen Betrag dann verdoppeln. Insgesamt kam so eine Summe von rund 100?000 zusammen, die in den Neubau einer Tagesstätte und den Ausbau des stationären Bereiches investiert wurden.
Die Wohn- und Betreuungsverhältnisse im Zentrum seien beengt gewesen, und der neue Wohntrakt sei benötigt worden, um die bisherige Überbelegung zu minimieren, wie Daniela Rothstein, Geschäftsführerin des Behindertenzentrums, mitteilte: „Es sind derzeit noch vier Wohnheimplätze frei. Wir mussten zuerst den bisherigen Bewohnern Rechnung tragen, dass sie ihr eigenes Zimmer bekommen.“ Auf die große Zahl an Neuanfragen für einen betreuten Wohnheimplatz könne mit dem Neubau also nur bedingt reagiert werden. Mit der neuen Tagesstätte kann der Verein nun 58 Tagesbetreuungsplätze anbieten, von denen derzeit noch neun frei sind.
Staatsminister Jürgen Banzer lobte den sozialen Einsatz des Lions Clubs, der Unternehmen und der privaten Spender: „Nicht der Staat, sondern Sie, die Bürger, haben diesen Neubau gefördert. Das ist Ihre Leistung, und Sie alle haben sich damit selbst ein schönes Geschenk gemacht.“
Landrat Alfred Jakoubek wies darauf hin, dass im Kreis rund zehn Prozent der Bevölkerung behinderte Menschen seien. „Wir leben im Alltag mit behinderten Menschen und müssen ihnen Hilfe und Unterstützung bieten. In dieser Einrichtung erfolgt dies in ausgezeichneter Weise durch Betreuung am einzelnen Behinderten.“ Auch Bürgermeisterin Christel Sprößler betonte die besonderen Verhältnisse. In der Anlage herrsche ein angenehmes Klima. In den drei neuen Wohngemeinschaften wird jeder Betreute ein eigenes Zimmer haben, es gibt moderne sanitäre Einrichtungen, Einbauküchen und Gemeinschaftsräume. „Behinderte können hier im Zentrum ihre Privatsphäre und Individualität so gut es geht ausleben.“
Die Namen der Bewohner stehen bereits an den Zimmertüren des neuen Wohnheimes, und jeder Schlafraum hat eine individuelle farbliche Gestaltung. Auch die neue Tagesbeschäftigungsstätte bietet mehr Platz für Entfaltung. Rund dreimal so groß wie der vorherige sei der neue Raum, den Birgit Eppler in Zukunft mit ihrer Gruppe nutzen wird, sagte die Betreuerin. Außerdem gibt es Themenräume, die die Sinneswahrnehmung der Betreuten stimulieren sollen, zum Beispiel einen Kugelbad-Raum und einen „Snoezel“-Raum, in dem mit Lichteffekten gearbeitet werden wird.