Behinderte öffnen ihre Türen in Roßdorf
Mehrere hundert Menschen besuchen Häuser und sehen auch die neue psychosoziale Beratungsstelle
Rossdorf. "Sie sind gekommen-herzlich willkommen", begrüßt ein Schild die Besucher zum Sommerfest im Behindertenzentrum Roßdorf.Das Roßdörfer Akkordeonorchester und der »Happyman« mit seiner Drehorgel unterhalten die Gäste. Überall sitzen sie in Gruppen beieinander, schwätzen und lachen, darunter auch Bürgermeisterin Christel Sprößler und Vertreter von Vereinen und aus der Kommunalpolitik. Der Chor der Bewohner singt munter die »Vogelhochzeit«. Anschließend steigen zahlreiche Luftballons in den Himmel. Viele Besucher nutzen die Gelegenheit, um sich in der Einrichtung umzuschauen. Im Laufe des Tages werden es mehrere Hundert gewesen sein. Besonders die im April eingeweihten neuen Gebäude zum Wohnen und für eine weitere Tagesstätte ziehen die Neugierigen an. Viele Zimmertüren stehen offen. Eine Seniorin hat liebevoll alte Familienfotos aufgereiht. Bei einem Jugendlichen stehen Fernseher und Computer im Zimmer. Plüschtiere, Puppen und ein Stoffhimmel über einem Bett verbreiten eine kuschelige Atmosphäre bei den Schwerstbehinderten.
46 Menschen leben in fünf Wohngemeinschaften in der Einrichtung, alle haben ihr eigenes Zimmer. Weitere 58 kommen zur Tagesbetreuung. Drei der acht Gruppen verbringen die Stunden im neuen Haus, wo auch ein Raum für Musikpädagogik, ein Bällebad und zwei Ruheräume eingerichtet sind. "Der große Reichtum unseres Lebens sind die kleinen Sonnenstrahlen, die jeden Tag auf unseren Weg fallen", hat jemand ins Gästebuch geschrieben. Orange Pfeile weisen zu einer weiteren Neuerung im Behindertenzentrum. Eine psychosoiale Beratungsstelle ist als Einrichtung des "Vereins zur Förderung von Menschen mit Behinderung" eingezogen. "Wir wollen damit eine Versorgungslücke schließen", sagt die Heimleiterin und Geschäftsführerin Daniela Rothstein. Wer plötzlich von einem Handycap oder einer Behinderung betroffen, als Angehöriger oder in anderer Weise mit einem behinderten oder gehandicapten Menschen verbunden sei, habe anfangs immer dieselben Fragen: Wer versteht mich? Wo wende ich mich hin? Für sie ist die Beratungsstelle da. Eine Psychologin und eine Sozialpädagogin mit Zusatzausbildung zur systemischen Beraterin führen die Gespräche und setzen sich für eine stetige Verbesserung der Lebensqualität betroffener Familien ein. "Wir fangen da an, wo andere aufhören", heißt es im Konzept. Beispielsweise wenn jemandem das Verhalten eines behinderten Familienmitglieds Rätsel aufgibt, wenn sich die Familie überlastet fühlt und es dadurch zu Auseinandersetzungen kommt oder wenn die Geburt eines Kindes mit diagnostizierter Behinderung bevorsteht. Hilfe gibt es aber auch für Nichtbehinderte, wenn sie ständig Zoff mit der Familie und im Freundeskreis haben oder um einen geliebten Menschen trauern und sich dabei Unterstützung wünschen. Die Erstberatung ist kostenlos. Termine können Interessenten unter beratungsstelle@bhz-rossdorf.de oder 06154 699619 vereinbaren.